Schmerzmittel im Fußball: Ein Konsum auf Kosten des Körpers

Schmerzmittel im Fußball - Titelbild

Viele Fußballer kennen das: Ein Ziehen im Knie, ein stechender Schmerz im Oberschenkel und schon greift man zur Schmerztablette. Gerade im Profibereich scheint dies fast normal zu sein. Doch Schmerzmittel haben einen gewissen Preis: Sie unterdrücken körpereigene Signale, schaden den Organen und können die Heilungszeit und Regeneration verzögern.


Schmerzmittelgebrauch im Fußball

Der Konsum von Schmerzmitteln ist im Fußball ein gängiges Thema. Betrachtet man die Zahlen im Profifußball, erweckt es den Anschein, die Einnahme von Ibuprofen und Co. sei schon fast normal. So zeigte eine Studie, dass während einer Saison in der italienischen ersten und zweiten Liga 95 % der Spieler Schmerzmittel nutzten [1]. Bei den Weltmeisterschaften der Männer zwischen 2002 und 2014 gaben jeweils über 50 % der Spieler an, während des Turniers ihre Schmerzen durch den Einsatz von Schmerzmitteln zu unterdrücken [2].

Für den Amateursport fehlen zwar genaue Daten zur Schmerzmitteleinnahme, nichtsdestotrotz zeigt eine Studie mit über 600 Amateurfußballer*innen, dass 40 % der Befragten mehr als einmal pro Woche fußballbedingte Schmerzen haben [3].

Diese Zahlen zeigen einerseits, dass der Gebrauch von Schmerzmitteln im Profifußball schon fast als selbstverständlich gilt, und andererseits, dass aufgrund der häufigen Schmerzen ein großer Bedarf besteht. Primär sollen die Schmerzmittel dabei helfen, unbeschwert auf dem Platz stehen zu können. Dabei können sie zwar Wunder wirken, aber dennoch hat das Ganze seinen Preis.

3 Gründe gegen Schmerzmittel beim Fußball

1. Warnsignale werden ignoriert

Der eigene Körper ist ziemlich smart. Wenn akute Schmerzen auftreten, ist dies ein Warnsignal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Wird dieses Signal durch die Einnahme von Schmerzmitteln jedoch unterdrückt, ignorieren wir im Endeffekt die Hilfe des eigenen Körpers. Die Quittung kommt dann oftmals ein bis zwei Tage später, wenn die Schmerzen nach dem Spiel plötzlich wiederkommen oder noch stärker geworden sind. Bei dauerhaftem Ignorieren des Warnsignals entsteht so im schlimmsten Fall ein Teufelskreis, und die Schmerzen bleiben länger bestehen, als wenn man einfach auf das anfängliche Signal gehört hätte.

2. Regeneration und Heilungsprozesse werden unterdrückt

Bei akuten Verletzungen und Schmerzen laufen gewisse Entzündungsprozesse im Körper ab, die vollkommen normal sind und zur Heilung des Gewebes beitragen sollen. Der Einsatz von Schmerzmitteln ist in dieser Phase üblich und durchaus sinnvoll, um die unangenehme Empfindung im Alltag zu unterdrücken. Dennoch können entzündungshemmende Schmerzmittel die Regeneration und Heilung beeinflussen und sollten daher bedacht eingesetzt werden.

Die Autoren einer aktuellen Studie empfehlen, Schmerzmittel bei muskuloskelettalen Beschwerden nicht über einen Zeitraum von 14 Tagen hinaus einzunehmen [4]. Eine weitere Studie zeigte, dass bei Bänderverletzungen am Sprunggelenk eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln die Heilung beeinträchtigen und zu einer verminderten Gelenkstabilität führen kann [5].

3. Nebenwirkungen für Herz, Niere und Verdauungssystem

Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac bergen gewisse Risiken für unsere Organe. Diese sind bei gesunden Sportlern zwar vergleichsweise gering, aber dennoch nicht außer Acht zu lassen:

  • Herz: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen, besonders bei bestehenden Herzproblemen [4].
  • Magen-Darm-Trakt: Häufig Sodbrennen oder Magenbeschwerden; in seltenen Fällen Geschwüre oder Blutungen [4].
  • Nieren: Schmerzmittel können die Nieren zusätzlich belasten, weil sie die Durchblutung verringern, besonders bei Dehydration oder starker körperlicher Belastung. Mögliche Folgen sind akute Nierenschäden und Einschränkungen der Nierenfunktion [4].

Schmerzmittel im Fußball: Lösungen und Alternativen

Schmerzmittel werden also einerseits sehr häufig im Fußball eingesetzt und können dabei helfen, die Schmerzen zumindest für 90 Minuten zu unterdrücken. Andererseits haben sie gewisse Risiken für den eigenen Körper und scheinen insbesondere bei andauernden Beschwerden dem Heilungsprozess im Weg zu stehen.

Im Endeffekt läuft es immer auf eine individuelle Entscheidung hinaus, ob der Schmerzmitteleinsatz beim Fußball sinnvoll sein kann oder eher hinderlich ist. Vergleicht man akute Schmerzen nach einem Eisbein mit anhaltenden Leistenschmerzen, die sich über die gesamte Saison ziehen, kann eine einmalige Einnahme im ersten Fall sinnvoll sein. Der wöchentliche Griff zur Tablette wegen dauerhafter Leistenschmerzen ist hingegen deutlich weniger zielführend.

Hör auf deinen Körper

Bei 24,5 % der befragten Amateurfußballer spielte der Trainer eine Rolle bei der Entscheidung zur Schmerzmitteleinnahme [3]. Da ein Trainer jedoch weder im Körper des Spielers steckt noch in der Regel über eine medizinische Ausbildung verfügt, sollte bei gesundheitlichen Fragen in erster Linie auf die eigenen Körpersignale und den ärztlichen Rat vertraut werden.

Eine gute Alternative zu Schmerztabletten können Schmerzsalben sein, da diese zu einer ähnlichen Schmerzlinderung führen können und die genannten Nebenwirkungen dabei ausbleiben [6].

Die beste Lösung ist jedoch, akute Beschwerden ausheilen zu lassen und bei andauernden, immer wieder aufkommenden Schmerzen das Ganze professionell und nachhaltig anzugehen, um auch ohne Schmerzmittel wieder schmerzfrei auf dem Platz stehen zu können. Falls Letzteres auf dich zutrifft, melde dich gerne auf Instagram oder unter kickpain.info@gmail.com.

Danke fürs Lesen und werde schnell wieder fit!

Nicolas von Kickpain


Literatur

[1] Taioli E. Use of permitted drugs in Italian professional soccer players. Br J Sports Med. 2007;41(7):439-441. doi:10.1136/bjsm.2006.034405

[2] Tscholl PM, Vaso M, Weber A, Dvorak J. High prevalence of medication use in professional football tournaments including the World Cups between 2002 and 2014: a narrative review with a focus on NSAIDs. Br J Sports Med. 2015;49(9):580-582. doi:10.1136/bjsports-2015-094784

[3] Schmitt, H. (2022). Wieviel Schmerz ist erlaubt?. Dtsch Z Sportmed2022(73), 89-90.

[4] Fitzpatrick D, Leckie T, Heine G, Hodgson L. The use of pain killers (NSAIDs) in athletes: How large is the risk?. J Sci Med Sport. 2025;28(3):198-205. doi:10.1016/j.jsams.2024.11.010

[5] Kaminski TW, Hertel J, Amendola N, et al. National Athletic Trainers‘ Association position statement: conservative management and prevention of ankle sprains in athletes. J Athl Train. 2013;48(4):528-545. doi:10.4085/1062-6050-48.4.02

[6] Zeng C, Wei J, Persson MSM, et al. Relative efficacy and safety of topical non-steroidal anti-inflammatory drugs for osteoarthritis: a systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials and observational studies. Br J Sports Med. 2018;52(10):642-650. doi:10.1136/bjsports-2017-098043

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