Zurück auf den Platz nach Adduktorenverletzung

Comeback nach Adduktorenverletzung - Titelbild

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Nach einer Verletzung folgt meist eine Phase aus Training, Aufbau und Rehabilitation. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um nach einer Adduktorenverletzung wieder auf dem Platz zu stehen, ohne ein erhöhtes Risiko für erneute Schmerzen oder eine weitere Verletzung einzugehen? Genau dieser Frage widmen wir uns in diesem Artikel auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz.

Relevanz der Return-to-play Kritierien

Adduktorenverletzungen sind die vierthäufigste Ursache für Ausfälle im Fußball [1]. Ein häufiger Fehler besteht darin, bereits wieder am Training oder sogar am Spiel teilzunehmen, sobald die Schmerzen verschwunden oder zumindest besser geworden sind. Dabei gibt es einige essenzielle Kriterien, die erfüllt sein sollten, bevor du wieder Fußball spielst. Werden diese missachtet, steigt das Risiko einer erneuten Verletzung oder eines Wiederauftretens der Beschwerden deutlich. So lag die Wiederverletzungsrate in den ersten zwei Monaten bei europäischen Fußballern bei 18 Prozent, also fast jeder fünfte Spieler [1].

Dein Körper muss auf die Belastungen vorbereitet sein, die im Fußball auf ihn einwirken. Das gelingt nur durch eine ausreichende und gezielte Vorbereitung.

Im Profifußball begleiten Athletiktrainer und medizinisches Personal diesen Prozess und geben die Rückkehr auf den Platz anhand verschiedener Parameter frei. Da jedoch nicht jedes Team über solches Fachpersonal verfügt, ist es umso wichtiger, diese Kriterien selbst zu überprüfen, um dein Comeback ohne Bedenken zu geben.

Return-to-play Kriterien im Fußball

Die Kriterien lassen sich in drei Kategorien unterteilen.

1. Funktionelle Kriterien

Isometrische und exzentrische Kraft der Adduktoren

96 Prozent der Experten sind sich einig, dass die Kraft der Adduktoren ein wesentlicher Bestandteil für ein erfolgreiches Comeback ist [2]. Eine gute Kraft bildet die Grundlage, um den Anforderungen im Fußball wieder gewachsen zu sein. Besonders wichtig sind dabei die isometrische und die exzentrische Kraft. Isometrie beschreibt die Fähigkeit der Muskulatur, eine bestimmte Position zu halten, beispielsweise beim Copenhagen Plank. Exzentrik beschreibt die Fähigkeit der Muskulatur, eine Position zu stabilisieren, während der Muskel unter Spannung verlängert wird, etwa bei einem seitlichen Ausfallschritt. Beide Formen der Muskelkraft sind im Fußball entscheidend, zum Beispiel beim Torschuss (Standbein) oder bei schnellen Richtungswechseln.

Schmerz während des Krafttrainings

Beim Krafttraining setzt gezielte Reize für deine Muskulatur. Wenn dabei noch Schmerzen auftreten, bist du noch nicht bereit für die Rückkehr auf den Platz. Treten bereits unter kontrollierten Bedingungen zu Hause oder im Fitnessstudio Beschwerden auf, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schmerzen auch auf dem Spielfeld wieder auftreten.

Schmerzfreiheit bei funktionellen Tests wie Squats, Lunges und Lateral Lunges

Dasselbe Prinzip gilt für funktionelle Tests. Diese grundlegenden Bewegungen sollten schmerzfrei möglich sein, bevor du wieder mit voller Intensität trainierst.

2. Klinische Kriterien

Schmerzen bei Palpation

Palpation bedeutet Abtasten. Sind deine Adduktoren noch druckempfindlich und lösen bereits leichte Berührungen Schmerzen aus, ist auch das ein Hinweis darauf, dass du noch nicht bereit für dein Comeback bist.

Beweglichkeit

Eine eingeschränkte Innenrotation der Hüfte gilt als Risikofaktor für Hüft und Leistenschmerzen [3]. Auch wenn sie nicht das wichtigste Kriterium für deine Rückkehr ist, sollte im Rahmen der Rehabilitation an der Hüftbeweglichkeit gearbeitet worden sein.

Feedback des Athleten

Dieser Punkt ist besonders wichtig. Alle objektiven Kriterien verlieren an Bedeutung, wenn du dich selbst noch nicht bereit fühlst, wieder Fußball zu spielen. Selbst wenn die anderen Anforderungen erfüllt sind, kann es verschiedene Gründe geben, warum du dich unsicher fühlst. Fragebögen wie der Copenhagen Hip and Groin Outcome Score (HAGOS) können helfen, limitierende Faktoren zu identifizieren [4]. Dennoch gilt klar: Wenn du dich nicht bereit fühlst, solltest du noch nicht spielen, auch wenn dein Trainer das anders sieht.

Bildgebende Verfahren

Viele gehen davon aus, dass bildgebende Verfahren eine zentrale Rolle bei der Entscheidung spielen. 93 Prozent der Experten sind jedoch der Meinung, dass Verfahren wie MRT oder Röntgen nicht ausschlaggebend für die Rückkehr zum Fußball sind [2]. Zu Beginn können sie helfen, schwerwiegende Verletzungen auszuschließen. Für die Entscheidung zur Rückkehr liefern sie jedoch keine ausreichenden Informationen über das subjektive Empfinden, die Schmerzfreiheit oder die Kraftentwicklung.

3. Performance Kriterien

Geplante und ungeplante Richtungswechsel

Richtungswechsel provozieren häufig Beschwerden bei Adduktorenproblemen, da die Muskulatur dabei stark beansprucht wird. Sowohl geplante als auch ungeplante Richtungswechsel sollten Teil deiner Rehabilitation sein. Auch hierbei sollten keine Schmerzen mehr auftreten.

Schussbewegungen, Sprints und explosive Antritte

Sprinten, Schießen und explosive Antritte gehören zu den intensivsten Aktionen im Fußball. Verursachen sie unter kontrollierten Bedingungen noch Schmerzen, ist es zu früh für dein Comeback. Erst bei vollständiger Beschwerdefreiheit besteht eine stabile Basis.

Trainingseinheiten mit hoher Belastung

Vor deinem ersten Spiel solltest du mehrere Trainingseinheiten vollständig mit deiner Mannschaft absolviert haben. Erst dann kannst du einschätzen, ob du dich in Zweikämpfen sicher fühlst und die Intensität eines Spiels mitgehen kannst.

Eine wichtige Ergänzung: Schmerzfreiheit auch nach der Belastung

Schmerzfreiheit während der Übungen oder im Training ist entscheidend. Idealerweise solltest du jedoch auch direkt nach dem Training und am darauffolgenden Tag keine Beschwerden verspüren. Oft zeigt der Körper seine Reaktion erst verzögert, insbesondere nach längerer Pause und unter hoher Adrenalinausschüttung.

Weitere Return-to-play Kriterien nach Addukotrenverletzung (E.  Rodríguez et al. 2025 [5])

Wie du diese Kriterien erreichst

Wiederherstellung der Muskelkraft

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deine Adduktoren gezielt zu kräftigen, zum Beispiel:

  • Isometrische Adduktion gegen einen Ball
  • Adduktion am Seilzug
  • Adduktion im Sitzen am Gerät
  • Copenhagen Plank

Die Symmetrie der Kraft kannst du gut anhand des verwendeten Gewichts oder der Haltedauer beim Copenhagen Plank überprüfen.

Um die Übungen schmerzfrei zu absolvieren, ist eine progressive Steigerung unter Berücksichtigung deines Schmerzlevels entscheidend. Wenn du das Trainingsgewicht erhöhst und anschließend deutlich stärkere Schmerzen verspürst, war die Belastungssteigerung vermutlich zu hoch.

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Performance Kriterien

Auch die Performance Kriterien erreichst du am besten durch eine schrittweise Steigerung. Das bedeutet nicht, sofort wieder hundertmal aufs Tor zu schießen, sondern zunächst mit einfachem Passspiel zu beginnen, anschließend leichte Flugbälle einzubauen und erst danach die ersten Torschüsse zu wagen.

Ähnlich verhält es sich mit Richtungswechseln. Voraussetzung ist, dass du schmerzfrei joggen kannst. Ist das der Fall, beginne mit leichten Richtungswechseln bei etwa 30 Prozent Intensität und steigere dich schrittweise bis zur vollen Belastung.

Wie du siehst, gibt es zahlreiche Kriterien, die erfüllt sein sollten, bevor du dein Comeback gibst. Wenn du dich wieder sicher auf dem Platz fühlen und das Risiko einer erneuten Verletzung möglichst gering halten möchtest, solltest du dich konsequent an diese Kriterien halten.

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Vorname

Literatur

[1 ]Ekstrand, J., Hägglund, M., & Waldén, M. (2011). Epidemiology of muscle injuries in professional football (soccer). The American journal of sports medicine39(6), 1226–1232. https://doi.org/10.1177/0363546510395879

[2] Vergani, L., Cuniberti, M., Zanovello, M., Maffei, D., Farooq, A., & Eirale, C. (2022). Return to Play in Long-Standing Adductor-Related Groin Pain: A Delphi Study Among Experts. Sports medicine – open8(1), 11. https://doi.org/10.1186/s40798-021-00400-z

[3] Mosler, A. B., Agricola, R., Weir, A., Hölmich, P., & Crossley, K. M. (2015). Which factors differentiate athletes with hip/groin pain from those without? A systematic review with meta-analysis. British journal of sports medicine49(12), 810. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-094602

[4] Thorborg, K., Branci, S., Stensbirk, F., Jensen, J., & Hölmich, P. (2014). Copenhagen hip and groin outcome score (HAGOS) in male soccer: reference values for hip and groin injury-free players. British journal of sports medicine48(7), 557-559.

[5] Estévez Rodríguez, J. L., Rivilla García, J., Jiménez-Sáiz, S. L., & Jiménez-Rubio, S. (2025). Consensus of Return-to-Play Criteria After Adductor Longus Injury in Professional Soccer. Sports (Basel, Switzerland)13(5), 134. https://doi.org/10.3390/sports13050134

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